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Astronomische
Geschichten aus der Antike - Sternschnuppen
Der
siebente unserer periodischen Kometen ist noch merkwürdiger.
Von Biela den 27. Februar 1827 und zehn Tage später von
Gambart in Marseille entdeckt, der dessen Elemente berechnete
und erkannte, dass es derselbe sei, welcher seit 1772 und
1805 erschienen war (er sollte seinen Namen tragen, wenn man
die Tradition befolgt, nach welcher der Name des Kometen Halley
bestimmt wurde) - kam er 6 ½ Jahre später wieder,
1832, und die Ankündigung dieser Wiederkehr verursachte
im Publikum die Furcht. Er schnitt in der Tat, wie wir gesehen
haben, die Ebene der Erdbahn in der respektablen Entfernung
von 80 Millionen Kilometer von uns; wenn aber diese Begegnung
irgend eine Gefahr in sich schloß, so war sie eher auf
seiner als auf unsrer Seite; denn er ist dadurch in seinem
Laufe stark gestört worden. Er ist 1839 wieder erschienen,
aber unter zu ungünstigen Umständen, um beobachtet
zu werden: im Monat Juli, in den langen Tagen und der Sonne
zu nahe. Man hat ihn 1845 wieder gesehen, zuerst am 25. November
an der Stelle, die ihm die Berechnung anwies und man verfolgte
ihn gemächlich; alles ging zu allgemeiner Befriedigung,
als am 13. Januar 1846 - ein unerwartetes Schauspiel - der
Komet entzwei fiel!.. Was war in seinem Schoße vorgefallen?
Warum diese Trennung? Was war die Ursache dieser Katastrophe
im Himmelsraum? Man weiß es nicht; Tatsache ist, dass
man von nun an statt eines Kometen deren zwei an der Stelle
sah, die im Raum wie zwei Zwillingsbrüder miteinander
vorwärts zogen, zwei wirkliche Kometen, jeder mit seinem
Kern, seinem Kopf, seiner Koma und seinem Schweif, langsam
voneinander sich entfernend. Sie schienen indessen nur ungern
sich zu trennen und während mehreren Tagen sah man eine
Art Brücke zwischen den beiden geworfen. Das Kometenpaar
entfernte sich allmählich von der Erde und verschwand
bald in der unendlichen Nacht.
Er
kam uns wieder zu Gesicht im September 1852; am 26. des genannten
Monats erschienen die Zwillingen wieder, aber viel weiter
voneinander entfernt, durch einen Zwischenraum von 2 Millionen
Kilometer getrennt. Dies ist jedoch nicht das seltsamste Ereignis,
welches dieses drollige Gestirn der Aufmerksamkeit der Astronomen
vorgehalten hat. Die 1846 beobachtete Katastrophe war nur
ein Vorbote des Schicksals, das seiner wartete; denn obwohl
man es sich lange als möglich ausgeredet hat, so ist
es heute eine Tatsache, dass dieser Komet verloren ist; seit
1852 sind alle Nachforschungen und Bemühungen, um ihn
wieder zu finden fruchtlos gewesen. Nach seiner elliptischen
Bewegung hätte er 1859, 1866, 1872, 1877, 1885 auf der
Erde wieder in Sicht kommen sollen. Er ist nicht wieder zum
Vorschein gekommen.
Der
wachsame Beobachter am Weg des Kometen befindet sich heut
in der gleichen Verlegenheit, wie ein Bahnhofvorstand, der
den angekündigten Zug nicht ankommen sieht; hier kann
der Weichenwärter sich täuschen und der Zugführer
kann sich verspäten, der Komet aber soll und kann sich
nicht irren. Es muss ihm also ein ernstlicher Unfall begegnet
sein , ein Unfall der für ihn verhängnisvoll sein
mußte, da er - nicht mehr da ist.
Verloren
sein war interessant, besonders für einen Kometen, aber
es war ohne Zweifel nicht genug; denn er bereitete uns eine
viel größere Überraschung noch. Seine Bahn
schneidet die Erdbahn in dem Punkt, in dem die Erde am 27.
November sich befindet. Und nun - man dachte nicht mehr an
ihn - man trug Leid um ihn - als plötzlich in den Abendstunden
des 27. November 1877 ein förmlicher Regen von Sternschnuppen
vom Himmel fiel, der Ausdruck ist nicht übertrieben;
sie fielen in großen Flocken; die feurigen Linien zischten
beinahe senkrecht in großer Menge und Fluten herab,
hier in lichtvoll blendenden Himmelskörpern, dort in
stillen Explosionen, die an den Anblick von Raketen künstlichen
Feuerwerks erinnern - und dieser Regen dauerte von 7 Uhr abends
bis 1 Uhr morgens; das Maximum fiel gegen 9 Uhr. Am Observatorium
des Collège Romain zählte man deren 13892 an demjenigen
in Montcalieri 33400; in England zählte ein einziger
Beobachter deren 10579. Man hat die gesamte Zahl auf 160000
geschätzt. Sie kamen alle vom gleichen Punkt des Himmels,
aus der Nähe des schönen Sterns Gamma der Andromeda
her.
Wie
verhielt es sich mit diesem Sternenregen? Augenscheinlich
- es ist kein Zweifel - rührt er her von dem Zusammentreffen
der Erde mit Myriaden von kleinen Körpern, die sich im
Raume längs der bahn des Kometen Biela bewegten. Der
Komet selbst - sofern er noch vorhanden war - wäre zwölf
Wochen vorher an der gleichen Stelle vorübergezogen.
Es wäre also, strenge angenommen, nicht der Komet selbst
dem wir begegnet sind, sondern vielleicht ein Teil seiner
Bruchstücke, die seit seiner Zerbröckelung im Jahr
1846 sich längs seiner Bahn hinter dem Kometen selbst
zerstreut hätten.....
Dies
ist die Geschichte des seltsamen Gestirns zu Biela. Die Tatsache
der Teilung eines Kometen in zwei oder mehr Teile, obschon
selten, ist in der Geschichte nicht einzig.

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