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Astronomische
Geschichten aus der Antike - Kopernikus
Das
Ptolemäische Weltsystem, die Ansicht von der Unbeweglichkeit
der Erde und der Bewegung des Himmels, herrschte noch vor
drei Jahrhunderten, um 1500 - 1600 zur Zeit Franz I., der
Mediceer und Heinrichs IV., zu einer Zeit, die gar nicht weit
von der unsrigen entfernt ist. Man lehrte es noch zur Zeit
Ludwigs XIV. und Ludwigs XV. mitten im 18. Jahrhundert. Diese
einfältige und unbestimmte Idee herrscht übrigens
noch gegenwärtig in den Kreisen der unwissenden Bevölkerung
Europas vor; denn heute noch gibt es unter hundert Personen
aller Stände nur einige, welche Begriffen haben, dass
die Erde sich dreht und die davon überzeugt sind, und
vielleicht sind es nicht zwei, die sich von der Schnelligkeit
ihrer Fortbewegung und den Wirkungen ihrer täglichen
Umdrehung vollkommen Rechenschaft geben. Indem Kopernikus
über die mechanischen Bedingungen des Ptolemäischen
Systems nachdachte, kam er zu der Einsicht, dass ein so kompliziertes
und rohes System nicht natürlich sein könne. Nach
dreißig Jahren Studiums war er überzeugt, dass
man den größten Teil der Bewegungen im Himmelsraum,
für die man diese unzähligen Kristallkreise hatte
erfinden müssen, erklären könne, indem man
der Erde eine doppelte Bewegung zuschreibe, eine solche der
Umdrehung um sich selbst in 24 Stunden und eine solche des
Umlaufes um die Sonne in 365 ¼ Tagen. Der geistvolle
Astronom erhob sich zur Erkenntnis des allgemeinen Naturgesetzes,
er teilte seine Ansicht den gelehrten Zeitgenossen mit, indem
er sie veröffentlichte, bevor er starb. Seit 1543, dem
Todesjahr Kopernikus und dem Jahr des Erscheinens seines großen
Werkes, haben Astronomen diese Auffassung von der Bewegung
der Erde, die zuerst so kühn erschien und heute so einfach
sich darstellt, bestätigt, definitiv bewiesen und für
immer festgestellt.
Kopernikus
war nicht der erste, welcher die Erklärung der Himmelsbewegungen
durch die Annahme einer Bewegung der Erde versucht hat. Der
unsterbliche Astronom hat im Gegenteil mit seltener Gewissenhaftigkeit
die Stellen alter Schriftsteller aufgezeichnet, aus denen
er die erste Idee der Wahrhaftigkeit dieser Bewegung geschöpft
hat: So aus Cicero, der die Ansicht dem Niketas von Syraktus
zuschrieb, Plutarch, der die Namen Philolaus, Heraklid von
Pontus und Ecphantus des Pythagoräers hervorhob, Martianus
Capella, der mit den Ägyptern die Bewegung Merkurs und
der Venus um die Sonne annahm. Hundert Jahre sogar vor der
Veröffentlichung des Werkes von Kopernikus 1444, hatte
der Kardinal Nikolas von Cusa in seiner Enzyklopädie
der Theologie und der Wissenschaft ebenfalls die Idee von
der Bewegung der Erde und von der Mehrheit der Welten zu Ehren
gezogen. Vom Altertum bis zu den Tagen des großen Kopernikus
ist die Lehre von der Unbeweglichkeit der Erde von denkenden
Köpfen in Zweifel gezogen, und diejenige von der Bewegung
der Erde unter verschiedenen Formen zum Vorschlag gebracht
worden. Aber alle diese Versuche ließen Kopernikus die
Ehre, die Theorie selbst bestimmt aufgestellt zu haben.
Die
Werke von Tycho, von Galilei, Kepler, Newton, Bradley, d'Alembert,
Lagrange, Laplace, Herschel, Le Verrier und anderen großen
Gelehrten haben der modernen Astronomie eine sichere und unerschütterliche
Grundlage gegeben, die durch jede neue Entdeckung gefestigt
wurde und auf welcher das geistige Bauwerk der Wissenschaft
wachsend sich erhebt, und emporstrebt ins Unendliche. Täuschungen,
Irrtümer, die Schatten der Nacht verschwinden; die Fackel
der Wahrheit erleuchtet die Welt. Diejenigen einzig, welche
freiwillig ihre Augen schließen, mögen fortfahren,
in der Täuschung der Schildkröte zu leben, die ihren
Panzer als Grenze der Welt betrachtet.

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