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Astronomische
Geschichten aus der Antike - Kepler
Saturn
erscheint dem bloßem Auge als ein Stern erster Größe,
jedoch weniger glänzend als Venus, Jupiter, Mars, Merkur.
Sein Licht ist düster, bleigrau. Die Langsamkeit seiner
Bewegung und sein matter Glanz hatten ihn für die Vorfahren
zu einem unheilbringenden Planeten gemacht. Saturn galt in
der Tat als der gewichtigste und langsamste Stern, eine entthronte
und in eine Art Exil verbannte Gottheit. Der Sabbat war ihm
geweiht. Während der langen Jahrhunderte, da die Astrologie
blühte - und der Mensch als Mittelpunkt und einziges
Ziel der Schöpfung galten - übte jeder Planet seinen
Einfluß nach dem Verhältnis seiner Bedeutung aus.
Saturn mit dem unheilvollen Einfluß stand im Zusammenhang
mit dem größten Leid; die Stimme des Schicksals
sprach aus ihm. Derjenige, welcher im Zeichen Jupiters geboren
war, wurde berühmt und erhob sich zu den glänzendsten
Rhumes- und Ehrenstellen. Mars drängte zum Kriege. Merkur
beherrschte die Künste. Diejenigen, welche im Zeichen
der Venus geboren wurden, schienen zu den glücklichsten
Sterblichen bestimmt gewesen zu sein.
Das Merkwürdigste ist, daß es ganz bestimmte Figuren
gab, die der Astrolog nur nachzuziehen brauchte, um das verlangte
Horoskop zu stellen. Alle Lebensumstände waren klassifiziert.
So lautet, um ein Beispiel zu geben, ein Abschnitt aus einem
astrologischen Buch des Zeitalters Ludwigs XIII. folgendermaßen:
Im ersten Zeichen des Zodiaks begünstigt Jupiter die
Bischöfe, die Statthalter, die Adligen, die Mächtigen,
die Richter, die Philosophen, die Weisen, die Kaufleute, die
Bankiere. Mars bedeutet die Krieger, die Brandstifter (Mordbrenner),
Mörder, die Ärzte, die Barbiere, die Metzger, die
Goldschmiede, die Köche, die Bäcker und alle Gewerbe,
die des Feuers sich bedienen. Venus begünstigt die Königinnen,
die schönen Frauen, die Apotheker (welch hübsche
Reihenfolge), die Schneider, die Schmuckarbeiter, die Wirtshausbesucher,
die Würfelspieler, die Liederlichen und die Räuber.
Merkur beschützt die Geistlichen, die Philosophen, die
Astrologen, die Geometer, die Mathematiker, die lateinischen
Schriftsteller, die Mahler, die erfindungsreichen Arbeiter,
Männer wie Frauen und ihre Künste. Die Leute, denen
Mars vorsteht, sind rauh und hart, unbesiegbar, die durch
keine Vernunftgründe zu gewinnen sind, eigensinnig, tapfer,
waghalsig, heftig, die gewohnt sind, die Mitmenschen zu betrügen,
wählerisch in den Speisen, viel Fleisch verdauend, stark,
kräftig, herrschsüchtig, mit blutunterlaufenden
Augen, roten Haaren, ohne wahre Zuneigung zu ihren Freunden,
die Künfte des brennenden Feuers und Eisens übend;
kurz, er macht die Menschen gewöhnlich wütend, begehrlich,
üppig, cholerisch, leidenschaftlich
Dieses
Muster mag genügen. Zu jener Zeit glaubte man an die
Teufel, die Hexen, an Zauberkünste, und die menschliche
Gerechtigkeit hat nicht ermangelt, ebenso wenig als die Inquisition,
Lebende zu verbrennen, zu foltern, zu hängen, zu enthaupten
- arme Schlucker, die kein anderes Verbrechen auf dem Gewissen
hatten, als dass die Narren ihrer eigenen Einbildung und die
Opfer einer falscher Grundlage lebenden Gesellschaft waren.
Die Mutter Keplers wäre beinahe zum Tode verurteilt worden,
weil, als eine Tante als Hexe verbrannt worden war, sie niemals
weinte und den Leuten nicht ins Gesicht schaute. Kepler selbst
glaubte an die Astrologie und stellte das Horoskop einer großen
Anzahl Persönlichkeiten seiner Zeit, u.a. dasjenige des
berühmten Heerführers Wallenstein, der ihn als Astrolog
in Dienst genommen hatte.
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